Ev.-Luth. Kirchgemeinde Liebertwolkwitz

Jahreslosung 2018: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." (Offenbarung 21,6)

Andacht

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wasser umsonst.” Offb 21,6

Sie häufen sich, die Berichte aus Afrika, insbesondere aus dem Süden: Dort kaufen Firmen wie NESTLE Quellgebiete, teils mit staatlicher Förderung, füllen das Wasser in Flaschen und verkaufen es. Der Bevölkerung wird der Zugang zum Lebenswichtigen verwehrt. Als ob irgendeiner ein Recht auf dieser Wasser haben könnte, das frei und ungebunden aus der Erde tritt. Die Wirtschaft nimmt sich das Recht und findet Gründe.

An anderen Orten kämpft man um die letzten Quellen, die noch sauberes Wasser geben. Wer einmal im Nahen Osten unterwegs war, zum Beispiel nahe der Wüste, der ahnt, was es bedeutet, eine Wasserflasche dabeizuhaben. Und wenn man dann aus der Wüste zu einer Oase kommt – nur ein paar Bäume am Wasser – dann spürt man das Wunder dieser Schöpfungsgabe.

Wasser ist Leben. Ohne Wasser können wir nicht sein. Auch der Regen ist ein Geschenk – oder der Schnee, der stillere Bruder. Jedes Wasser ist eine Gabe zum Leben. Es käme darauf an, wieder achtsam damit umzugehen, es zu würdigen, sich daran zu freuen.

Wie alle großen Gaben hat es eine Urkraft, die zerstören kann. Die Schöpfung ist kein romantischer Roman.

Was Quellwasser, also lebendiges Wasser ist, ist den meisten Europäern jedoch fremd geworden. Die sicheren Häuser und die Rohrleitungen trennen uns, so segensreich sie sind. Aber wir haben das unfassbare Glück, täglich und bezahlbar Zugang zu sauberen Wasser zu haben: Hahn auf, Hahn zu. Es ist kein Quellwasser, aber doch sauber, trinkbar, kostbar. Das ist ein Privileg, das nur wenige Menschen auf dieser Erde genießen. Und wir alle bezahlen dieses Wasser: Pumpen, Rohleitungen, Reinigung, Transport …

Lebendiges Wasser ist noch einmal anders. Es ist selbst Leben, und es schenkt Leben. Unaufhaltsam. Wie das Grundwasser, das immer durchdringen wird, wenn man seinen Weg nicht achtet (Häuslebauer wissen davon manchmal ein Lied zu singen). Wie die Quelle, die fließt und fließt, solange sie verbunden bleibt. So ist das Wasser. So ist Gott selbst. Und so wird uns von Gott gegeben, wenn wir Durst haben. Und dazu vollkommen ohne Bezahlung. Gott ist kein Gott der Marktwirtschaft, kein Förderer von NESTLE und andere Firmen. Er wählt die einfachste Lösung, die für uns oft hinter den Sachthemen der Wirtschaft und er Angst kaum noch wahrnehmbar ist: Gott ist ein schenkender, der die Bedürfnisse sieht und gibt. So einfach kann Leben sein.

Dies steht über dem neuen Jahr: Durst haben und haben dürfen, Wasser suchen, beschenkt werden, trinken. Gabe und Aufgabe.

Pfrn. Bettine Reichelt