Ev.-Luth. Kirchgemeinde Liebertwolkwitz

Jahreslosung 2020: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben" (Markus 9,24)

Andacht

Und pass auf, wenn du über die Straße gehst!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wer das sagt, der sorgt sich um jemanden, der hat Angst, dass ihm etwas Schlimmes passiert. Als Kind habe ich diesen Satz immer von meiner Mutter gehört, auch im Beisein meiner Freunde. Damals war mir das unangenehm, wer will schon behandelt werden wie ein kleines Kind – auch wenn man das im Grundschulalter natürlich noch ist. Ganz schnell habe ich dann diese Sorge abgetan mit Worten wie: Ja, ja, was
soll denn schon passieren? Natürlich war ich im Herzen dankbar für diese Sorge, hat sie mir doch gezeigt, dass ich jemanden etwas bedeute.
Ebenso erging es den Christen in Korinth, das aber waren echte Sorgenkinder! Damals – von Sorge geplagt – schrieb Paulus ihnen:

Seid wachsam! Haltet unbeirrt am Glauben fest! Seid mutig, und seid stark! (1. Kor 16,13)

Seine Sorge war nicht unbegründet, lebte die Gemeinde dort doch inmitten einer pluralistischen Gesellschaft. Unzählbare Weltanschauungen standen nebeneinander. Korinth war eine Stadt im moralischen Chaos. Für eine kleine Gemeinde von Christen, deren alltägliches Glaubensleben noch in den Kinderschuhen steckte, eine gefährliche Welt. Streitigkeiten, die Gefahr von Spaltung und Verwässerung des Glaubens waren allgegenwärtig. Paulus reagierte wie es gute Eltern tun und sagte: Seid mutig und seid stark! Gebt den Glauben nicht auf! Hört nicht auf darauf zu vertrauen, dass es einen Unterschied macht, ob man mit Gott lebt oder ohne Gott! Lebt anders als die Gesellschaft um euch herum! Haltet am Evangelium fest, kommt zum Gebet und Brotbrechen zusammen, habt Gemeinschaft!

Daran hat sich bis heute nichts geändert, gemeinsam beten, auf Gottes Wort hören, das Abendmahl miteinander feiern sind die Grundfesten einer jeden Gemeinde. Hierin finden wir Gemeinschaft, die die Grenzen des sozialen Status, der Herkunft oder Bildung der Gemeindeglieder egalisiert. Leben wir alle doch aus der Zusage:

Fürchtet euch nicht! Ich habe euch befreit. Ich habe euch bei eurem Namen gerufen. Ihr gehört zu mir! (Jesaja 43,1)

In der christlichen Gemeinde sind wir gleich, gleich geliebt, gleich bedürftig! Deshalb, so verstehe ich Paulus, werden wir ermahnt, wachsam zu sein, wenn uns die Leute dazu zwingen wollen, zu sortieren: Wir gegen die, gut gegen böse, du gehörst dazu und du nicht. Wir sollen wachsam sein, wenn jemand sagt: Du bist doch nur eine kleine Nummer; du kannst doch nichts machen! Dagegen sollen wir fest im Glauben stehen – gemeinsam, füreinander. Eine Zusage, die wie die meiner Mutter war, voller fürsorglicher Liebe.

Auch in Tagen wie diesen, in denen Kirche mehr und mehr erodiert, dürfen wir wissen: So wir wachsam sind, unbeirrt am Glauben festhalten, mutig und stark für- und miteinander beten, dürfen wir erleben, dass der Glaube wirklich zu tragen vermag, uns krisensicher werden lässt.

Bleiben Sie behütet! Ihr Pfarrer Dr. Christian Wedow