Ev.-Luth. Kirchgemeinde Liebertwolkwitz

Jahreslosung 2020: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben" (Markus 9,24)

Andacht

Jesus Christus spricht: Wachet! (Mk 13,37)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wie wird es nur werden? Hinter dieser Aussage stehen Gefühle der Angst und Verunsi-cherung. Gefühle, die so manches Gemeindeglied auch im Angesicht der tiefgreifenden Strukturveränderungen in unserer Kirche äußert. Was ist diesen Gefühlen entgegenzuhalten? Ganz einfach, die Passions- und Osterzeit, sie lehrt uns: Gebt euch mitten hinein in diese Gefühle und macht wahr, was Jesus von euch fordert: Wachet und betet!

Worte, die Jesus im Garten Gethsemane zu seinen Jüngern spricht. Wir lesen sogar, Jesus wird von Angst und Traurigkeit ergriffen. Meine Seele ist zu Tode betrübt, sagt er zu seinen Jüngern und bittet sie deshalb bei ihm zu bleiben, mit und für ihn zu beten. Unser Heiland war voller Angst, voller Verzweiflung und doch hat er sich freiwillig in diese Einsamkeit und Verlassenheit hineinbegeben. Ja, Gott selbst ist es, der in Jesus Christus dieses Schicksal durchleidet.

Wir als Christenmenschen und Kirchgemeinden werden genau in diesen Zeiten großer Veränderungen in unserer Kirche von Jesus darum gebeten, bei ihm zu bleiben und standzuhalten. Lauft nicht weg, so ruft er uns aus dem Garten Gethsemane zu. Bleibt hier, an diesem Ort, unter diesen Bedingungen, wie sie jetzt sind. Lauft auch innerlich nicht weg, indem ihr die Not und den Schmerz durch Ablenkungen und durch Kompensationen aller Art zu betäuben versucht.

Widersteht und haltet – trotz eurer Ängste und Bedenken – mit mir stand und betet! Teresa von Avila sagte einmal, man müsse genau dann den Gott des Trostes suchen anstatt die Tröstungen Gottes. Der Gott des Trostes: das ist der Funke von Licht, der mitten in der Dunkelheit aufleuchtet und das Herz weit macht; das ist der Friede, der stärker ist als die Angst und die Sorge um uns selbst.

Der Gott des Trostes hilft uns, in der Hoffnung nicht nachzulassen, wenn sich der Herr in der Erfüllung sei-ner Verheißungen zu verspäten scheint. (Vgl. dazu Teresa von Avila, Weg der Vollkommenheit, München 1983, S. 175–178.) Er hilft uns, unsere Situation nicht nur aus der Perspektive der Passionszeit zu sehen, sondern aus der Perspektive von Ostern.

Wer so den Blick wendet, bekommt von Gott die Kraft, trotz aller Veränderungsprozesse gelassen und hoffnungsvoll eine tragfähige Gemeinschaft zu formen, die diese Prozesse gestaltet. Dazu gehört es, im Gebet nicht nachzulassen, für Gott und seinen Ruf offen zu bleiben, die Zeichen der Zeit zu verstehen und aus dem Glauben zu leben.

Bleibt behütet!
Ihr Pfr. Dr. Christian Wedow